Wie Du mehr Helfer gewinnst

Helfer motivierenEine wichtige und oft dringliche Frage für einen Ehrenamtlichen und auch den Verein ist es, wie man mehr Helfer motiviert und gewinnt. Oft fehlt es an ausreichend helfenden Händen oder es sind immer die gleichen Personen die den Verein am Laufen halten und die Dinge erledigen. Wie kannst Du mehr Helfer gewinnen und wie können weitere Mitglieder zur Mitarbeit motiviert werden?

Das Problem ist sicherlich in jedem Verein das Gleiche. Es gibt viel zu tun, doch die die anpacken sind immer dieselben. Dein Verein hat einen ordentlichen Mitgliederstamm, aber am Ende sind es ein oder zwei handvoll Leute auf die Du wirklich zählen kannst. Und spätestens wenn man eine größere Veranstaltung plant oder mal ein paar der üblichen fleißigen Helfer nicht zur Verfügung stehen, stellt man fest, das weitere Helfer durch ein WhatsApp in die Vereinsgruppe oder einen Aushang nicht mal eben zu gewinnen sind. Doch wie gewinnt man mehr Helfer aus den Reihen der passiven Vereinsmitglieder? Wie motiviert man mehr Personen dazu sich mit einzusetzen?

Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach und viele Clubs schlagen sich mit diesem Thema herum. Es bietet Stoff für einige Artikel. Aber lasst uns hier einfach mal anfangen und überlegen in welche Richtung wir denken müssen. Und wo die Basis für erfolgreiche Beteiligung und Mitgliedermotivation liegt. Dann wird der ein oder andere Artikel folgen.

Wie immer im Leben gibt es hier kein Schwarz und Weiß, und wie bei so vielem führen mehrere Wege nach Rom. Und sicherlich sind es am Ende dann auch die Kombination der unterschiedlichen Maßnahmen, die zum Erfolg führen. Deswegen lasst uns im ersten Schritt einmal auf wichtige Zutaten für den Erfolgscocktail schauen. Von den Hygienefaktoren, der Delegation von Verantwortung, Lob und Anerkennung bis hin zur persönlichen Ansprache.

Motivation und Hygienefaktoren

Im Verein müssen für ein Vereinsmitglied diverse Dinge einfach stimmig sein, damit es nicht die Lust am Engagement und die Freude an der Mithilfe verliert. Als Vorstand solltet ihr also auf diese Hygienefaktoren achten. Dazu gehören:

Die Tätigkeitsbedingungen, Beziehungen zu Vereinsvorstand und -führung, Vereinspolitik und Verhalten der Führungskräfte, Kompetenz der Führungskräfte, persönliche Beziehungen im Verein, Status und Sicherheit, wie auch der Einfluss auf das Privatleben.

Wenn diese Dinge für das einzelne Mitglied (und die Mitglieder in ihrer Gesamtheit) stimmig sind, wird natürlich noch Motivation benötigt um die Dinge anzugehen und sich persönlich einzusetzen für und in dem Verein. Dabei sind diese Motivatoren wichtig:

Erfolgserlebnisse, Anerkennung, Wachstum, Fortschritt, Verantwortung und am Ende natürlich die Tätigkeit selbst.

"Lust verkürzt den Weg."
 William Shakespeare

Warum es wichtig ist Verantwortung zu delegieren?

Einer der Hauptantriebe für ehrenamtliche Tätigkeit ist es Verantwortung zu tragen bzw. zu übernehmen. Hierzu ist es wichtig, diese auch an die Helfer zu delegieren. Besprecht die zu erreichenden Ziele und lasst den Helfern auch die Möglichkeit sich zu entfalten und gib ihnen die Möglichkeit den Weg zur Zielerreichung mitzugestalten.

Hier ist Mikromanagement zumeist fehl am Platze, zeugt von wenig Vertrauen und demotiviert den Helfer. Achte auch darauf, dass die Helfer ausreichend informiert sind um ihre Aufgabe erfolgreich zu bewerkstelligen. Informationen teilen vermeidet Missverständnisse und sorgt dazu für Vertrauen. Information-Hiding ist bei guter Führung fehl am Platze!

Wichtig ist hierbei auch, das ein Wir-Gefühl entsteht. Dies fängt schon bei der Ansprache an, in der Du nicht das Wort „ICH“, sondern das Wort „WIR“ benutzen solltest. Insbesondere wenn es um Erfolge und das Erreichte geht, ist ebenfalls das „WIR“ angebracht! Nur so sorgst Du dafür, dass sich jeder mit dem Erreichten und dem Zukünftigen identifiziert und eingebunden fühlt.

"Einer der besten Wege, die Moral aufzubauen und das Interesse an der Arbeit zu vergrößern, ist das konsequente Delegieren von Verantwortung."
Cyril Northcote Parkinson

Und wenn es dann um den richtigen Weg und die richtigen Ziele geht, solltest Du und der Vorstand für konstruktive Kritik durch die Mitgliedschaft und die Helfer offen sein. Auch das ernst nehmen von Einwänden und Ideen sorgt dafür, dass sich der Ideengeber eingebunden und beachtet fühlt.

"Man muß die Leute nur erst zu Wort kommen lassen und dann auch machen lassen."
Gerhard Cromme

Lob und Anerkennung – besondere Leistungen anerkennen

Größere Vereinsveranstaltungen und Jahreshauptversammlungen sind gute Gelegenheiten, besondere Leistungen und hohes Engagement zu würdigen, auszuzeichnen und anzuerkennen. Aber auch über das Vereinsjahr sollte der Einsatz von Lob und Anerkennung nicht zu kurz kommen. Wie auf der Arbeit oder im Bereich der Familie, ist dieses auch im Verein ein echtes Führungsinstrument.

Natürlich sollte Lob und Anerkennung von Herzen kommen. Die Erwähnung von Details zur vollbrachten Aufgabe und des damit verbundenen positiven Effektes für den Verein im Rahmen des Lobes macht dieses auch glaubwürdig. Nimm Dir dafür Zeit und nutze dafür auch Gelegenheiten, dieses Lob vor der Truppe (also vor Vereinskameradinnen und Kameraden) oder versammelter Mannschaft auszusprechen. Dieses hat viel mehr Wirkung als die Anerkennung nur mal eben auf dem Wege nebenher zu erwähnen.

Zwischen Leistung und Lob sollte nicht zu viel Zeit liegen, damit es noch seine Wirkung hat. Auch solltest Du dabei keinen Unterschied zwischen Leuten machen die Dir sympathisch sind und denen die es ggf. nicht sind. Nimm nicht zu viel als selbstverständlich hin und rege auch Vorstandskollegen dazu an, genauso mit Lob und Anerkennung umzugehen.

In dem Zusammenhang macht es Sinn auch die Messlatte zu definieren. Hier kann es nichts schaden zur Zielerreichung auch vorab darzustellen, was es zu erreichen gilt und was hier besonders Anerkennenswert ist. Motiviert damit in Eurem Verein die Ehrenamtlichen solche Ziele auch zu erreichen. Zeigt worauf der Vorstand und der Verein Wert legt und wo der Weg hinführen soll!

Helfer gewinnen
Wie Du mehr Helfer gewinnst

Wie verhält es sich mit Deiner eigenen Motivation?

Es heißt ja: „Nur wer selbst brennt kann ein Feuer entzünden“. Aber was steckt dahinter? Natürlich überträgt sich Dein Verhalten und Deine Einstellung auch auf andere. Gerade als Vorstandsmitglied bist Du durchaus im Blickpunkt und als Vorsitzender erst recht. Dabei ist es immer eine gute Idee mit gutem Beispiel voran zu gehen.

Also achte darauf, dass Du selbst mit positiver Einstellung und positiven Gefühlen, wie auch mit einer offenen Haltung, gegenüber den Vereinsmitgliedern und Interessierten unterwegs bist. Sicher ist das Vereinsleben auch mal hart und oft wird es den Ehrenamtlichen nicht leicht gemacht. Also lass Dich nicht unterkriegen und achte darauf, dass Du selbst motiviert bist!

Die Vereinswelt hat zum Thema „Motivation im Vorstand“ (der Artikel beinhaltet auch viele wichtige weitere Ansätze um andere zu motivieren) ein paar tolle Tipps gegeben, worauf Du bei Dir selbst achten solltest:

Achte auf eine positive innere Einstellung!

Setze Dir persönliche Ziele!

Belohne Dich selbst!

Vergiss nie den spielerischen Aspekt!

Schiebe unangenehme und ungeliebte Aufgaben nicht vor Dir her!

Bleibe flexibel!

Denke immer wieder über Deine Stärken nach!

Beginne jeden Tag mit einer positiven Einstimmung!

Sei konzentriert bei der Sache!

Bereite den Kolleginnen und Kollegen hin und wieder eine Freude!

Halte Deinen Körper fit, genauso wie Deinen Geist!

"Ohne Emotionen kann man Dunkelheit nicht in Licht und Apathie nicht in Bewegung verwandeln."
Carl Gustav Jung

Ganz wichtig: Was motiviert die Anderen?

Jeder Mensch ist unterschiedlich und unterschiedliche Vereins- und Vorstandsmitglieder „ticken“ auch unterschiedlich. Gerade wenn Personen langjährig dabei sind und Du sie kennst, achte darauf wofür sie sich begeistern können und was diese Personen motiviert. Mit diesem Wissen im Rucksack wird es Dir sicher leichter fallen, diese mit ins Boot zu holen oder herauszufinden was die richtigen Aufgaben und Hilfen sind, die diese Personen bereit sind zu geben. Diese sollen ihnen Spaß machen und so für langanhaltende Motivation sorgen.

Den einen geht es mehr darum soziale Kontakte im Verein zu pflegen und die anderen genießen eher den Erfolg und Anerkennung. Weitere Menschen sind auf der Sinn-Suche für sich selbst und freuen sich, wenn sie diesen Sinn im Verein und ihrer Arbeit finden.

Wie verhält es sich mit der allgemeinen Ansprachen von Vereinsmitgliedern und der persönlichen Ansprache von Einzelnen?

Du solltest Dir unbedingt einmal bewusst machen, dass die allgemeine Ansprache von Vereinsmitgliedern auf größeren Versammlungen oder Aufforderungen die für alle in eine WhatsApp-Gruppe gepostet werden ein ziemlich unscharfes Schwert sind. Keiner fühlt sich auf die Art und Weise persönlich angesprochen und jeder denkt die anderen werden es schon tun.

Die persönliche verbale Ansprache ist da viel besser geeignet. Zum Einen sorgt sie dafür, dass der Angesprochene ernsthaft überlegt ob er helfen kann und zum Anderen sorgt sie auch dafür, dass eine Absage viel schwerer fällt. In der persönlichen Ansprache kann die Notwendigkeit der Hilfe und des Engagements viel deutlicher und persönlicher rübergebracht werden. Außerdem erfährst Du auch ob ggf. eine andere als von Dir im ersten Schritt angedachte Unterstützung möglich ist. Die individuelle Ansprache bietet hier viele Vorteile.

Also, nutzt weniger WhatsApp und sprecht mehr persönlich miteinander. Dann fällt es schon viel leichter Helfer zu aktivieren! Natürlich ist es komfortabler mal eben was in einer WhatsApp-Gruppe zu posten, aber es ist eben auch nicht von Erfolg gekrönt.

Im gleichen Kontext ist es dazu auch immer sinnvoller, Aufgaben gezielt zu vergeben als mit allgemeinen Aussagen wie „Man müsste mal…“ nichts zu erreichen. Aber dies nur als Hinweis am Rande.

Verlangen wecken
Chef ist nicht der, der etwas tut, sondern der das Verlangen weckt etwas zu tun.

Wie verhält es sich mit Identifikation und  Zusammenhalt?

Um Helfer zu finden ist es natürlich wichtig, dass sich die Mitglieder auch wirklich mit dem Verein identifizieren. Dazu ist es wichtig den Sinn und positiven Zweck des Vereines auch zu kommunizieren. Scheut Euch also nicht, die positiven Aspekte Eures Vereins auf der Jahreshauptversammlung oder in Reden und Ansprachen besonders hervorzuheben. Personen müssen sich mit Zielen identifizieren können, damit sie sich dafür einsetzen. Und für positive Aspekte einzelner wichtiger Maßnahmen (zu denen Hilfe gebraucht wird) gilt dies gleichermaßen.

Und wenn es dann soweit ist sollte sich der Verein nicht Lumpen lassen. Über Lob und Anerkennung hinaus ist es gut wenn nach getaner Arbeit auch mal gefeiert wird, die Helfer gemütlich beisammen sitzen und der Verein ein paar Bier dazu gibt oder für die Helfer auch schon mal der Grill angeworfen wird. Das stärkt den Zusammenhalt und bestärkt bzw. bestätigt die Helfer ebenfalls in ihrer Arbeit!

Wie wäre es wenn ihr im Verein einmal etwas besonderes für die Helfer auf die Beine stellt? Wie wäre es beispielsweise mit einem Extra-Event für Helfer?

Welche motivierenden Zitate gibt es dazu, Helfer und Engagierte im Verein zu gewinnen?

In Zitaten berühmter und weiser Personen liegt zumeist viel Wahrheit. Sie zeigen den richtigen Ansatz und worauf Du achten sollst. Und zu unserem Thema hier habe ich ein paar Gute davon gefunden. Da ist sicherlich auch etwas für Dich dabei:

„In jedem Menschen steckt ein König. Sprich zu dem König, und er wird herauskommen.“
Dt. Sprichwort

„Kapital läßt sich beschaffen, Fabriken kann man bauen, Menschen muß man gewinnen.“
Hans Christoph von Rohr

„Ich will nicht nur an euern Verstand appellieren. Ich will eure Herzen gewinnen.“
Mahatma Gandhi

„Wir warten unser Leben lang auf den außergewöhnlichen Menschen, statt die gewöhnlichen um uns her in solche zu verwandeln.“
Hans Urs von Balthasar

„Die einzige Möglichkeit, Menschen zu motivieren, ist die Kommunikation.“
Lee Iacocca

„Ich betrachte meine Fähigkeit, die Menschen zu begeistern, als meinen größten Vorteil.“

Charles M. Schwab

„Man muß mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten, sie achten und motivieren. Dauerhafter Erfolg ist nur im Team möglich.“
Klaus Steilmann

Womit kannst Du selbst starten damit ihr in Deinem Verein mehr Helfer gewinnt?

Was ist der Extrakt aus dem zuvor geschriebenem? Hier sind die ersten Schritte für Dich und den Vorstand:

Achte darauf, dass die Hygienefaktoren im Verein stimmen!

Habe selbst eine positive Einstellung und positive Gefühle!

Kommuniziere die positiven Aspekte der Mitarbeit und der Erledigung der Aufgabe!

Frage Dich was den Helfer motiviert!

Achte auf die persönliche Ansprache um Helfer zu gewinnen!

Delegiere auch die Verantwortung, damit Helfer die Aufgaben auf ihre Art lösen und sich selbst einbringen können!

Sei großzügig mit Lob und Anerkennung!

Wie eingangs beschrieben ist dies kein einfaches Thema. Wichtig ist, dass Du selbst, der Vorstand und die aktiven Ehrenamtlichen hier mit gutem Beispiel voran gehen und auch darauf achten, dass die oben beschriebenen notwendigen Rahmenbedingungen entstehen. Sorgt dafür dass andere Lust am Helfen und am Ehrenamt bekommen und auch über längere Zeit haben.

Der DFB führt auf seiner Webeseite ebenfalls „Motive für ein ehrenamtliches Engagement“ in den Kategorien soziale Motive, Anerkennung, Verantwortung und Eigengewinn auf, die einen Blick wert sind.

Es gibt also keine einfache Maßnahme mit der Du in Deinem Verein mal eben „Klick“ machst und das Problem ist gelöst. Wenn Du doch eine weißt, teile die unbedingt mit uns in den Kommentaren. Natürlich bin ich auch neugierig auf Deine Erfahrungen mit diesem Thema! Was hat bei Euch im Verein gut funktioniert?

Und wenn Du nun noch ein Fachbuch zu Freiwilligenmanagement und Führung im Ehrenamt suchst, findest Du hier die passende Lektüre für Deine Weiterbildung:

Führen im Ehrenamt

Für ein erfolgreiches Zusammenwirken, Funktionieren der Strukturen, für den Erfolg, aber auch für die Begeisterung von ehrenamtlicher Tätigkeit und vor allem für eine kontinuierliche Nachfolge kommt dem Aspekt „Führung von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitgliedern“ eine entscheidende Funktion zu. Allen Menschen, die ehrenamtlich in einer Führungsfunktion tätig sind, gibt „Erfolgreich führen im Ehrenamt: Ein Praxisleitfaden für freiwillig engagierte Menschen„, nun in der 3. Auflage erscheinende und vollständig aktualisierte Werk einen umfassenden Überblick über die Erfolgsfaktoren von „Führung im Ehrenamt“, mit vielen Beispielen, Fallstudien und Erfahrungsberichten sowie Checklisten als pragmatische Umsetzungshilfe.

Psychologie der FreiwilligenarbeitEinen tiefen Einblick dazu gibt das Buch „Psychologie der Freiwilligenarbeit: Motivation, Gestaltung und Organisation“ von Theo Wehner und Stefan Güntert. Dieses Buch liefert psychologische Grundlagen, Praxisbeispiele und konkrete Ideen für ein besseres Verständnis und die konkrete Umsetzung von Freiwilligenarbeit.

FreiwilligenmanagementWer noch mehr über Freiwilligenmanagement mit praxisnahen Methoden und Instrumenten lesen möchte, dem sei das Buch „Praxishandbuch Freiwilligenmanagement“ von Carola und Oliver Reifenhäuser empfohlen. Sie schreiben darüber wie dieser Managementansatz in Vereinen und Organisationen umgesetzt werden kann.


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